Viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen einen ganz konkreten Beitrag zur Energiewende leisten und entwickeln aus ihrer Forschung heraus einfallsreiche, marktreife…
Forschung macht die Energieversorgung bezahlbar und krisenfest
Energie muss für alle bezahlbar sein. Zugleich muss die Energieversorgung vielfältigen Angriffen und Krisen standhalten. Das sind die aktuell wichtigsten Ziele der Energiewende, zu denen die Energieforschung beiträgt. Auf der Jahrestagung des ForschungsVerbunds Erneuerbare Energien am 6. und 7. Oktober in Berlin zeigen die Forschenden mit welchen Ideen die Widerstandsfähigkeit erhöht und die Kosten gesenkt werden können.
Das Energiesystem muss einer Vielzahl von Anforderungen gerecht werden: Es soll gleichzeitig treibhausgasneutral, widerstandsfähig und wettbewerbsfähig sein. Bei dieser umfangreichen Transformation kommt den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern eine Schlüsselrolle zu. Unter dem Motto „Lösungen aus der Forschung für ein resilientes und wirtschaftliches Energiesystem“ präsentieren sie auf der Jahrestagung des ForschungsVerbunds Erneuerbare Energien innovative Technologien und diskutieren neue systemische Ansätze und gesellschaftliche Fragestellungen der Energiewende.
Bezahlbarkeit von Energie rückt in den Fokus
„In der aktuellen Phase der Transformation ist Wirtschaftlichkeit die entscheidende Voraussetzung für die zügige Umsetzung der nächsten Schritte der Energiewende“, sagt Professor Andreas Bett vom Fraunhofer ISE, einer der beiden Tagungsleiter. „Die Forschung hat seit Jahrzehnten dazu beigetragen, dass die Kosten erneuerbarer Energien durch erhöhte Effizienz, niedrigeren Materialverbrauch, kostengünstigere Materialien oder ganz neue Technologien immer weiter gesenkt werden konnten. Im Ergebnis ist beispielsweise Photovoltaik die kostengünstigste Stromquelle mit den niedrigsten Gestehungskosten in €cent/kWh. Diese Erfolgsgeschichte wollen wir fortschreiben.“
Auf der Jahrestagung werden zum Beispiel die Kostenstrukturen für verschiedene Photovoltaik-Technologien in Europa untersucht. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zeigen, inwiefern Dezentralität an sich schon zur Stärkung eines wirtschaftlichen und resilienten Energiesystems beiträgt. Sie arbeiten auch heraus, welche Faktoren für die Rentabilität von Windenergieprojekten relevant sind, wie aus geothermischem Potenzial ein ökonomisch tragfähiges Wärmesystem wird oder wie innovative Steuerungs- und Marktmechanismen für Speicher einen netzdienlichen und wirtschaftlichen Betrieb ermöglichen.
Ideen für mehr Widerstandsfähigkeit der Energieversorgung
Unsere Energieversorgung ist den Auswirkungen internationaler politischer Krisen unterworfen und muss immer häufiger auch auf physische und digitale Angriffe effektiv reagieren. Darüber hinaus bleibt das ganz normale Tagesgeschäft, bei dem Energiebedarf und Angebot zu jedem Zeitpunkt in Übereinstimmung gebracht werden müssen. „Unsere Forschungsprojekte unterstützen die Ziele der Bundesregierung für Systemstabilität“, sagt der zweite Tagungsleiter Dr. Andreas Hauer vom ZAE Bayern: „Mit den vielfältigen Technologien für nachhaltige heimische Energieerzeugung, der Speicherung temporärer Überschüsse und der systemdienlichen Kopplung der Sektoren Strom, Wärme und Mobilität machen wir uns handlungsfähig, unabhängig und krisenfest.“
Vorgestellt werden beispielsweise Konzepte, wie Speicher für Betreiber profitabel und für Netzbetreiber sicher nutzbar werden oder wie thermische Speicher dazu beitragen, erneuerbaren Strom systemdienlich zu nutzen und das Stromnetz zu entlasten. Andere Referenten zeigen Wege auf, wie Speicher die Robustheit der Wärmeversorgung erhöhen und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und volatilen Gaspreisen reduzieren. Außerdem wird untersucht, welche Rolle dezentrale, KI-basierte Regelungen bei Ausfall oder Manipulation zentraler Steuerung für einen stabilen Betrieb spielen und welche konkreten technischen und betrieblichen Maßnahmen sich daraus ableiten lassen.
Forschung wirkt
Über die Wissenschaftsgemeinschaft hinaus vernetzt sich der ForschungsVerbund auch mit anderen gesellschaftlichen Gruppen, um gemeinsam für die Energiewende zu arbeiten. Auf der Abendveranstaltung der Tagung diskutieren Vertreterinnen und Vertreter von Verbänden die Herausforderungen und Lösungswege für eine bezahlbare Energiewende und fokussieren dabei besonders auf die Sicht der Verbraucherinnen und Verbraucher. Außerdem zeigen junge Gründerinnen und Gründer, wie sie Ideen aus dem Labor zu Geschäftsmodellen weiterentwickelt haben, die zu einer bezahlbaren und resilienten Energieversorgung beitragen.
Forschung braucht verlässliche Rahmenbedingungen
Die Tagung beginnt mit Beiträgen aus den Ministerien für Wirtschaft und Energie sowie für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Beide Häuser gehören auch zu den Adressaten der dringenden Botschaft des ForschungsVerbunds an die Politik: „Die Tagung zeigt, dass Energieforschung die dominanten energiepolitischen Themen adressiert und wesentliche Beiträge für die Bezahlbarkeit und Resilienz unserer Energieversorgung leistet. Vor diesem Hintergrund sind die geplanten tiefgreifenden Kürzungen bei der Energieforschung nicht nachvollziehbar“, sagt Andreas Hauer. Sein Kollege Andreas Bett bekräftigt: „Die Verpflichtungsermächtigungen für die angewandte Energieforschung müssen zumindest auf dem bisherigen Niveau fortgeführt werden. Dann kann Forschungsförderung weiterhin als Hebel für Innovation, Technologietransfer und internationale Marktchancen der deutschen Industrie wirken.“
Mehr Informationen zur FVEE-Jahrestagung
- „Lösungen aus der Forschung für ein wirtschaftliches und resilientes Energiesystem“6. und 7. Oktober in Berlin im Fraunhofer ENIQ
- Programm und Anmeldung zur FVEE-Tagung
- Den Tagungsreader mit den Vortragsfolien finden Sie kostenfrei hier.
- Der Tagungsband erscheint im Frühjahr 2027 und wird kostenfrei online zur Verfügung gestellt.
Bildmaterial
- Das Bildzeichen zur Tagung finden Sie hier.
- Portrait des Tagungsleiters Prof. Dr. Andreas Bett
Leiter des Fraunhofer ISE (Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme) - Portrait des Tagungsleiters Dr. Andreas Hauer
Vorstand des ZAE Bayern (Bayerisches Zentrum für Angewandte Energieforschung e.V.)
Hintergrundinformation zu den geplanten Haushaltskürzungen
